Untiefen
Es gibt zwei Bedeutungen von Untiefen: entweder tatsächlich flach; oder aber noch tiefer als Tiefen.
Das Wort Untiefen verstärkt das Wort Tiefen, ist aber nicht unbedingt ein Gegenteil.
Der Duden führt zwei Bedeutungen:
- Untiefe (flach) — eine seichte Stelle, geringe Wassertiefe.
- Untiefe (Abgrund)
Aufheben
Hegel sprach von einer dreifachen Aufhebung:
- die Beendigung, Überwindung einer Entwicklungsstufe (Negation, „tollere“), z. B. Aufhebung eines Gesetzes, Erlasses.
- das Erhalten ihrer zukunftsträchtigen Seiten (Aufbewahrung, „conservare“),
- die Integration dieser Seiten in die höhere Stufe der Entwicklung, wodurch sie eine neue Funktion erlangen (Erhöhung, „elevare“), i. S. v. etwas vom Boden aufheben.
Zitiert nach: Dialektische Aufhebung – Wikipedia
Wendet man es ins Passiv – aufgehoben sein – kommt für mich noch eine vierte Bedeutung dazu: beheimatet, geborgen sein.
forlorn
forlorn ist ein ganz normales englisches Wörterbuchwort. Es bedeutet je nach Kontext etwa verlassen, trostlos, verloren, hoffnungslos, einsam.
Und ja: Es ist tatsächlich mit dem deutschen verloren verwandt. Beide gehen auf denselben germanischen Wortstamm zurück. Englisches forlorn stammt aus dem Altenglischen forloren, dem Partizip von forlēosan „verlieren“. Das ist eng verwandt mit althochdeutsch firliosan und letztlich mit deutsch verlieren / verloren.
Interessant ist, dass Englisch forlorn heute meist stärker emotional gefärbt ist als deutsches verloren: etwa in a forlorn figure = „eine verloren/trostlos wirkende Gestalt“ oder forlorn hope = „aussichtslose Hoffnung / ein verzweifeltes Unterfangen“.
Seafarer
Seafarer ist ein ganz normales englisches Wörterbuchwort.
Es bedeutet Seefahrer, Seemann, jemand, der zur See fährt.
Es kommt aber nicht aus dem Deutschen „Seefahrer“. Vielmehr sind die englische und die deutsche Bildung germanisch verwandt und parallel gebildet:
- englisch sea ↔ deutsch See
- englisch fare im älteren Sinn „reisen, fahren“ ↔ deutsch fahren
- seafarer ↔ Seefahrer
Das ist also ein sehr schönes Beispiel dafür, wie nahe sich ältere englische und deutsche Wortbildung manchmal stehen.
Nebenbei: Das altenglische Gedicht The Seafarer heißt genau so und stammt schon aus dem frühen Mittelalter — das Wort kann daher unmöglich eine spätere Entlehnung aus dem modernen Deutschen sein.