Zwischenergebis 2

Zusammenfassung der Antwortverteilung

Antwortverteilung nach Fragebogen

FragebogenA (beide wahr)B (beide falsch)C (A1 wahr, A2 falsch)D (A1 falsch, A2 wahr)E (keine Meinung)Ø Sicherheit
A205022.67
B300313.71
C101004.00
D401003.00
E123014.43
F215404.25

2. Interpretation der Ergebnisse

Fragebogen A: Tautologien sind wahr

  • Erwartung: Tendenz zu C (A1 wahr, A2 falsch), da die Aussagen als tautologisch oder widersprüchlich interpretiert werden.
  • Ergebnis: 5 von 9 wählen C – bestätigt die Erwartung.
  • Überraschung: 2 wählen A (beide wahr) und 2 E (keine Meinung).
    • Mögliche Erklärung: Einige Teilnehmer interpretieren die Aussagen als vacuous truth (wahr, weil es keine zweite leere Menge gibt) oder sind unsicher, weil der Begriff „zweite leere Menge“ paradox wirkt.
  • Sicherheit: 2.67 (niedrig) – zeigt, dass die Prämisse nicht alle überzeugt.

Fragebogen B: Eindeutigkeit der leeren Menge

  • Erwartung: C (A1 wahr, A2 falsch) dominiert, da die Prämisse die Identität aller leeren Mengen betont.
  • Ergebnis: Gleichverteilung zwischen A (3) und D (3)überraschend!
    • Mögliche Erklärung:
      • A (beide wahr): Teilnehmer könnten denken, dass „jede zweite leere Menge“ eine leere Aussage ist (da es keine zweite gibt) und daher beide Aussagen als vacuous truth gelten.
      • D (A1 falsch, A2 wahr): Einige interpretieren die Prämisse möglicherweise als „es gibt keine zweite leere Menge, also ist A1 falsch“ und A2 als „wahr, weil es keine nicht-leere zweite Menge gibt“.
    • Sicherheit: 3.71 (mittel) – die Prämisse führt nicht zu einer klaren Mehrheit.

Fragebogen C: Argument gegen eine zweite leere Menge

  • Erwartung: C (A1 wahr, A2 falsch) dominiert, da die Prämisse explizit die Identität aller leeren Mengen betont.
  • Ergebnis:1 wählt C, 1 wählt A, 1 wählt Dsehr überraschend!
    • Mögliche Erklärung:
      • Die geringe Anzahl an Antworten (3) könnte zufällig sein.
      • Die Prämisse ist sehr technisch – möglicherweise haben Teilnehmer sie nicht vollständig verstanden.
    • Sicherheit: 4.00 (hoch) – die wenigen Teilnehmer waren sich sehr sicher, aber uneinig.

Fragebogen D: Aussagen über nicht-existierende Objekte sind logisch wahr

  • Erwartung: A (beide wahr) dominiert, da vacuous truth (Aussagen über nicht-existierende Objekte sind wahr) direkt auf die Aussagen anwendbar ist.
  • Ergebnis:4 von 5 wählen Abestätigt die Erwartung!
    • Sicherheit: 3.00 (mittel) – einige sind unsicher, ob vacuous truth hier gilt.

Fragebogen E: Aussagen über nicht-existierende Objekte sind sinnlos

  • Erwartung: E (keine Meinung) oder B (beide falsch) dominieren, da die Aussagen als sinnlos abgetan werden.
  • Ergebnis:3 wählen C, 2 wählen B, 1 wählt A, 1 wählt Eüberraschend!
    • Mögliche Erklärung:
      • Viele Teilnehmer ignorieren die Prämisse und fallen auf die klassische Mengenlehre zurück (→ C).
      • B (beide falsch): Einige interpretieren „sinnlos“ als „falsch“.
    • Sicherheit: 4.43 (sehr hoch) – trotz Uneinigkeit sind sich die Teilnehmer sehr sicher.

Fragebogen F: Gegenteilige Aussagen haben gegenteilige Wahrheitswerte

  • Erwartung: C (A1 wahr, A2 falsch) dominiert, da A2 die Negation von A1 ist.
  • Ergebnis:5 wählen C, 4 wählen D, 2 wählen A, 1 wählt Bteilweise bestätigt, aber überraschend viele wählen D!
    • Mögliche Erklärung:
      • D (A1 falsch, A2 wahr): Einige interpretieren die Prämisse möglicherweise als „wenn A1 falsch ist, muss A2 wahr sein“ – eine falsche Anwendung der Prämisse.
      • Sicherheit: 4.25 (hoch) – die Teilnehmer sind sich sicher, aber uneinig.

3. Zentrale Erkenntnisse

a) Prämissen wirken – aber nicht immer wie erwartet

  • Fragebogen D (vacuous truth) führt klar zu A – die Prämisse wird korrekt angewendet.
  • Fragebogen B und F führen nicht zu einer klaren Mehrheit – die Prämissen werden unterschiedlich interpretiert.
  • Fragebogen E (sinnlos) führt nicht zu E oder B, sondern zu C – viele Teilnehmer ignorieren die Prämisse und fallen auf klassische Logik zurück.

b) Paradoxon der „zweiten leeren Menge“

  • Der Begriff „zweite leere Menge“ ist intuitiv schwer verständlich – viele Teilnehmer scheitern daran, die Prämisse korrekt anzuwenden.
  • Vacuous truth (Fragebogen D) wird am klarsten verstanden – hier wählen die meisten A.

c) Sicherheit vs. Konsens

  • Hohe Sicherheit (z. B. Fragebogen E: 4.43) korreliert nicht mit Konsens – die Teilnehmer sind sich sicher, aber uneinig.
  • Niedrige Sicherheit (z. B. Fragebogen A: 2.67) korreliert mit Uneinigkeit – die Prämisse überzeugt nicht alle.

4. Philosophische und psychologische Schlüsse

  • Kognitive Dissonanz: Teilnehmer neigen dazu, klassische Logik (C) zu wählen, selbst wenn die Prämisse etwas anderes nahelegt (z. B. bei E).
  • Sprachliche Fallstricke: Der Begriff „zweite leere Menge“ führt zu Verwirrung – viele interpretieren ihn als „eine Menge, die nicht leer ist“ (obwohl das falsch ist).
  • Vacuous truth ist am klarsten: Fragebogen D zeigt, dass formale Logik (vacuous truth) besser verstanden wird als philosophische Prämissen (z. B. „sinnlos“ in E).

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