A Question-Answer Architecture of Randomness

Das Retrospektionsproblem und eine relationale Architektur des Zufalls

Preprint, 2026

Das Paper entwickelt eine philosophische Architektur des Zufalls, die von einer einfachen, aber folgenreichen Frage ausgeht: Was muss strukturell bereits gegeben sein, damit ein Ereignis oder ein Ereignisaspekt überhaupt sinnvoll als zufällig gelten kann?

Im Zentrum steht das Retrospektionsproblem. Einerseits können relevante Fragen und Unterscheidungen erst durch ein eingetretenes Ereignis entstehen. Andererseits darf nicht jede nachträglich erfundene Frage genügen, um einem Ereignis rückwirkend Zufälligkeit zuzuschreiben. Sonst ließe sich Zufall beliebig post hoc erzeugen.

Die vorgeschlagene Lösung trennt daher strikt zwischen retrospektiver Artikulation und der prospektiven, prozessbezogenen Offenheit, die eine Zufallszuschreibung tragen kann:

Retrospective articulation ≠ retrospective genesis of randomness.

Eine nachträglich formulierte Frage kann einen bereits realisierten Ereignisaspekt sichtbar machen; sie erzeugt dessen Zufälligkeit aber nicht erst im Nachhinein. Damit eine solche retrospektive Zufallszuschreibung legitim ist, muss die betreffende Variable in einem unabhängig begründeten Prozess verankert, gegenüber relevanten alternativen Verläufen stabil und nicht ad hoc auf das tatsächlich eingetretene Ereignis zugeschnitten sein.

Das Paper unterscheidet darüber hinaus zwischen Offenheit und Zufall, Nicht-Gleichverteilung und Bias, Ereignis und Ereignisaspekt sowie zwischen einem weiteren Zufallsbegriff und einem engeren, symmetriesensitiven Zufallsbegriff. Zugleich werden zwei Ordnungen der Artikulation unterschieden: vorab strukturierte Zufallssituationen und solche Fälle, in denen erst das Ereignis selbst die relevante Frage hervortreten lässt.

Die entwickelte Architektur wird in einen Dialog mit Aristoteles, Cournot, Peirce, Husserl, Waldenfels, Romano, der erotetischen Logik sowie zeitgenössischen Theorien von Chance und Randomness gestellt. Ziel ist keine neue Wahrscheinlichkeitstheorie, sondern eine begriffliche Klärung der Bedingungen, unter denen Zufallszuschreibungen philosophisch nichttrivial und nicht zirkulär werden.

Publikation / DOI:
Eigler, D. (2026). A Question-Answer Architecture of Randomness. Zenodo.
https://doi.org/10.5281/zenodo.22033370

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